Therapie begleiten

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln

Cannabinoide werden über die Leber verarbeitet — deshalb betreffen Wechselwirkungen sehr viele gebräuchliche Arzneimittel.

Warum Wechselwirkungen hier besonders wichtig sind

Cannabinoide werden über das Cytochrom-P450-System der Leber verarbeitet. Die DGS-PraxisLeitlinie hält deshalb fest, dass Wechselwirkungen mit allen Substanzen möglich sind, die über diesen Weg abgebaut werden. Das betrifft sehr viele gebräuchliche Arzneimittel. Wechselwirkungen können in beide Richtungen gehen: Ein Begleitmedikament kann stärker wirken als vorgesehen, oder es kann schwächer wirken und damit seinen Schutz verlieren.

Blutverdünnende Mittel

Die Fachinformation von Sativex nennt ausdrücklich, dass die gleichzeitige Gabe den Stoffwechsel anderer Arzneimittel beschleunigen und deren Wirksamkeit verringern kann, und führt dabei Cumarine, Statine, Betablocker und Corticosteroide als Beispiele auf. Cumarine sind gerinnungshemmende Medikamente. Wenn Sie ein solches Präparat einnehmen, informieren Sie unbedingt die Ärztin, die Ihre Gerinnungswerte überwacht, bevor eine cannabisbasierte Therapie begonnen oder verändert wird.

Antiepileptika, insbesondere Clobazam und Valproat

Für das zugelassene Cannabidiol-Arzneimittel Epidyolex ist in der von der Europäischen Arzneimittel-Agentur veröffentlichten Fachinformation dokumentiert, dass die Konzentration des aktiven Clobazam-Abbauprodukts N-Desmethylclobazam auf das Drei- bis Vierfache ansteigt; die Fachinformation sieht vor, eine Verringerung der Clobazam-Dosis in Betracht zu ziehen. Schläfrigkeit trat bei gleichzeitiger Clobazam-Einnahme bei 43 Prozent gegenüber 14 Prozent ohne Clobazam auf. Für Valproat ist dokumentiert, dass die gleichzeitige Anwendung erhöhte Leberenzymwerte häufiger auftreten lässt. Diese Anpassungen trifft ausschließlich Ihre behandelnde Ärztin.

Beruhigungsmittel, Schlafmittel, Opioide und Alkohol

Die DGS-PraxisLeitlinie hält fest, dass psychotrop wirkende Stoffe, insbesondere Benzodiazepine und Alkohol, gemeinsam mit Cannabinoiden Müdigkeit verstärken und Koordination, Konzentration sowie Reaktionsfähigkeit herabsetzen können. Hypnotika und Sedativa können Schläfrigkeit und Muskelentspannung verstärken. Für Nabilon ist in der Fachinformation eine additive dämpfende Wirkung mit Diazepam, Alkohol und Codein sowie mögliche Wechselwirkungen mit Benzodiazepinen, Opioiden und Anticholinergika beschrieben. Alkohol erhöht zusätzlich die Aufnahme von Cannabidiol.

Auch rezeptfreie Mittel zählen

Wechselwirkungen entstehen nicht nur mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln. Die DGS-PraxisLeitlinie nennt ausdrücklich auch Johanniskraut, ein frei verkäufliches pflanzliches Präparat. Nahrungsergänzungsmittel und pflanzliche Produkte gehören deshalb genauso auf Ihre Liste.

Was Sie konkret tun sollten

Führen Sie eine vollständige, aktuelle Liste aller Mittel, die Sie einnehmen: verschreibungspflichtige Arzneimittel, rezeptfreie Präparate, pflanzliche Mittel und Nahrungsergänzungsmittel, jeweils mit Wirkstoff und Dosierung. Legen Sie diese Liste Ihrer Ärztin bei jedem Termin vor und zeigen Sie sie auch in Ihrer Apotheke. In vielen Apotheken können Sie einen Medikationsplan erstellen oder prüfen lassen. Fügen Sie neue Mittel erst hinzu, nachdem Sie das besprochen haben.

Diese Seite ersetzt kein ärztliches Gespräch und enthält bewusst keine Dosierungsanleitung. Grundlage sind die Fachinformationen der zugelassenen Arzneimittel, die PraxisLeitlinie der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin, der Abschlussbericht der BfArM-Begleiterhebung und die Gesetzestexte — die Quellenliste steht auf der Übersichtsseite.

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