Therapie begleiten

Dosisfindung und Titration

Warum eine Dosis gefunden und nicht verordnet wird — und warum Nachlegen der häufigste Fehler ist.

Wie eine Dosis gefunden wird

Bei cannabisbasierten Arzneimitteln gibt es keine Dosis, die für alle Menschen passt. Die DGS-PraxisLeitlinie „Cannabis in der Schmerzmedizin“ hält ausdrücklich fest, dass die Zieldosis patientenindividuell ist und dass Cannabinoide nach dem Prinzip „niedrige Einstiegsdosis, langsame Auftitration“ eingestellt werden. Welche Darreichungsform, welche Anfangsdosis und welche Schritte für Sie infrage kommen, legt ausschließlich Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. Besprechen Sie jede Änderung vorher mit Ihrer Ärztin.

Warum langsam eingestellt wird

Das langsame Einstellen ist kein Formalismus, sondern dient Ihrer Verträglichkeit. In der Fachinformation von Sativex ist dokumentiert, dass bei Einhaltung des empfohlenen Titrationsschemas das Auftreten von Schwindelanfällen und Müdigkeit in den ersten vier Wochen stark reduziert war. Dort ist ebenfalls beschrieben, dass Schwindel vor allem in der Anfangstitrationsphase auftritt, meist schwach bis mäßig ausgeprägt ist und nach einigen Tagen nachlässt, auch wenn die Behandlung fortgeführt wird.

Warum Sie eine Dosis nicht selbst „nachlegen“ sollten

Bei oraler Einnahme setzt die Wirkung deutlich verzögert ein. Selbst beim oromukosalen Spray Sativex wird die maximale Plasmakonzentration laut Fachinformation erst etwa 45 bis 120 Minuten nach der Anwendung erreicht. Für Cannabidiol ist zudem dokumentiert, dass die Aufnahme stark davon abhängt, ob und was Sie gegessen haben. Wenn Sie nachlegen, weil noch nichts zu spüren ist, können sich die Einzeldosen im Körper addieren, und die Wirkung fällt später unerwartet stark aus. Warten Sie deshalb den mit Ihrer Ärztin vereinbarten Abstand ab und erhöhen Sie nicht eigenmächtig.

Der Unterschied zwischen Inhalation und Einnahme

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte beschreibt in seinem Abschlussbericht zur Begleiterhebung, dass bei inhalativer Anwendung eine sehr schnelle Anflutung im Blut und im Gehirn erfolgt und der Spiegel ebenso schnell wieder abfällt, weshalb häufiger angewendet werden muss. Bei oraler oder oromukosaler Anwendung verläuft beides langsamer und gleichmäßiger. Die beiden Anwendungswege lassen sich deshalb nicht gegeneinander aufrechnen und nicht miteinander kombinieren, ohne dass Ihre Ärztin das ausdrücklich so festgelegt hat.

Wann beurteilt wird, ob die Behandlung wirkt

Für Sativex sieht die Fachinformation vor, dass das Ansprechen nach vier Wochen Behandlung überprüft wird. Für andere cannabisbasierte Arzneimittel legt Ihre Ärztin einen vergleichbaren Zeitraum fest. Es ist normal, dass in dieser Phase noch nichts endgültig feststeht. Notieren Sie in dieser Zeit Ihre Beobachtungen und bringen Sie sie zum vereinbarten Termin mit.

Was Sie selbst tun können

Halten Sie Einnahmezeitpunkte und die von Ihrer Ärztin vorgegebenen Abstände ein. Nehmen Sie orale Präparate möglichst immer in gleicher Weise in Bezug auf Mahlzeiten ein, da die Aufnahme sonst schwanken kann. Melden Sie sich, bevor Sie etwas verändern, und nicht erst danach.

Diese Seite ersetzt kein ärztliches Gespräch und enthält bewusst keine Dosierungsanleitung. Grundlage sind die Fachinformationen der zugelassenen Arzneimittel, die PraxisLeitlinie der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin, der Abschlussbericht der BfArM-Begleiterhebung und die Gesetzestexte — die Quellenliste steht auf der Übersichtsseite.

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