Medizinisches Cannabis in Europa: die Rechtslage-Karte
Eine Karte, jedes Land, kein Marketing: wo ein echter Verschreibungsweg existiert, wo das Gesetz Ja sagt und die Praxis kaum, und wo es gar keinen Weg gibt. Jedes Urteil verlinkt entweder auf unsere vollständige Länderseite oder auf eine Primärquelle, die Sie selbst prüfen können.
So lesen Sie die vier Status
Ein nutzbarer Verschreibungsweg existiert in relevantem Umfang — Kliniken oder verschreibende Ärzte, abgebende Apotheken, veröffentlichte Kriterien.
Legal, aber eng: wenige Produkte oder Verschreiber, Last-Resort-Klauseln oder ein Markt, der sich erst bildet.
Ein Rahmen existiert auf dem Papier, aber neue Patienten haben heute keinen nutzbaren Weg — oder ein krankenhauszentrierter Start läuft gerade erst an.
Kein praktikabler Weg: höchstens zugelassene Cannabinoid-Arzneimittel oder Einzelfallgenehmigungen, die selten erteilt werden.
Land für Land
| Land | Status | Was heute gilt | Nächster Schritt |
|---|---|---|---|
| Deutschland | Etablierter Weg | Europas größter Markt. Jeder Arzt darf verschreiben; seit dem 30. Juli 2026 erstattet die GKV keine Blüten mehr — die meiste Therapie läuft über Privatrezept und Selbstzahlung. | Länderseite → Weg prüfen → |
| Polen | Etablierter Weg | Legal seit 2017 und einer der größten Märkte Europas. Jeder Arzt darf verschreiben, seit November 2024 erfordert das erste BtM-Rezept aber einen Vor-Ort-Termin; vollständige Selbstzahlung. | |
| Schweiz | Etablierter Weg | Das Verbot fiel im August 2022: Jeder Arzt darf ohne Bundesbewilligung verschreiben. Die Therapie läuft überwiegend über Magistralrezepturen aus Apotheken, überwiegend selbst bezahlt. | Länderseite → Weg prüfen → |
| Tschechien | Etablierter Weg | Verschreibung über Ärzte im staatlichen SÚKL-Register — Hausärzte dürfen bei chronischen Schmerzen verschreiben — mit 90 % Kassenerstattung bis zu einer Monatsobergrenze. | |
| Vereinigtes Königreich | Etablierter Weg | Legal seit 2018. Der Zugang läuft praktisch vollständig über private, CQC-regulierte Spezialkliniken; NHS-Verschreibungen sind die absolute Ausnahme — Beratungs- und Medikamentenkosten sind die eigentlichen Variablen. | |
| Dänemark | Begrenzter Weg | Das Pilotprogramm von 2018 ist seit dem 1. Januar 2026 dauerhaft: Jeder Arzt darf zugelassene Programm-Produkte verschreiben — praktisch tun es wenige; ein 50-%-Zuschuss gilt bis 10.000 DKK pro Jahr. | |
| Griechenland | Begrenzter Weg | Ein Rahmen von 2018, primär auf Produktion ausgelegt; EOF-zugelassene Endprodukte erreichen erst seit 2024 die Apotheken — legal, aber ein dünner, früher Patientenmarkt. | Quelle: EOF — medical cannabis ↗ |
| Irland | Begrenzter Weg | Das Medical Cannabis Access Programme deckt genau drei therapierefraktäre Indikationen ab (MS-Spastik, Chemotherapie-Übelkeit, schwere Epilepsie), verschrieben von Fachärzten — ein sehr enger, aber realer Weg. | Quelle: HPRA — Medical Cannabis Access Programme ↗ |
| Italien | Begrenzter Weg | Legal über Magistralrezepturen aus staatlich produzierten oder importierten Blüten; jeder Arzt darf verschreiben, die Erstattung variiert je nach Region, Lieferengpässe sind chronisch. | Quelle: Ministero della Salute — Cannabis ad uso medico ↗ |
| Kroatien | Begrenzter Weg | Legal seit 2015 für definierte Indikationen; zugelassene Produkte plus Magistralrezepturen mit Abgabe-Obergrenzen (rund 7,5 g pro 30 Tage), heimische Produktion seit 2025 erlaubt. | Quelle: Prohibition Partners — Croatia legislation profile ↗ |
| Luxemburg | Begrenzter Weg | Staatliches Programm seit 2018: speziell geschulte, autorisierte Ärzte verschreiben für drei Indikationsgruppen, Abgabe über Krankenhausapotheken; 2025 wurde das Sortiment auf CBD-dominante und ausgewogene Blüten verengt (max. 60 g pro 28 Tage). | Quelle: sante.lu — cannabis médicinal ↗ |
| Malta | Begrenzter Weg | Ärzte verschreiben gegen eine vom Superintendent of Public Health genehmigte Control Card; ein kleines Produktsortiment läuft über lizenzierte Apotheken — funktionierend, aber klein. | Quelle: Malta Medicines Authority — cannabis for medicinal use ↗ |
| Niederlande | Begrenzter Weg | Staatliches Versorgungsmodell seit 2003: Jeder Arzt — auch der Hausarzt — darf aus der schmalen offiziellen OMC-Produktliste verschreiben; einheitliche Apothekenpreise (35 € pro 5 g ab Februar 2026), keine Erstattung durch die Basisversicherung. | |
| Österreich | Begrenzter Weg | Cannabisblüten sind nicht verschreibungsfähig. Dronabinol als Magistralrezeptur und das zugelassene THC:CBD-Spray bilden einen realen, aber Nischen-Weg über aufgeschlossene Ärzte und herstellende Apotheken. | Länderseite → |
| Portugal | Begrenzter Weg | Das Gesetz 33/2018 schuf einen Rahmen mit gesetzlicher Last-Resort-Klausel — aber es gibt nur sehr wenige INFARMED-zugelassene Produkte, und die Verschreibungszahlen bleiben winzig. Portugal baut weit mehr Cannabis an, als es verschreibt. | |
| Slowenien | Begrenzter Weg | Das Gesetz über Cannabis für medizinische und wissenschaftliche Zwecke gilt seit dem 20. August 2025: Ärzte dürfen für jede Indikation auf normalem Rezept verschreiben. Durchführungsakte und Versorgung laufen noch an — der Markt startet gerade. | Quelle: ZKMZN — Cannabis for Medical and Scientific Purposes Act ↗ |
| Ukraine | Begrenzter Weg | Das Gesetz 3528-IX gilt seit August 2024 und legalisiert medizinisches Cannabis mit Fokus auf kriegsbedingte PTBS und schwere Erkrankungen; erste Rezepte und Apothekenabgaben folgten 2025 — ein Markt im Entstehen. | Quelle: Law of Ukraine No. 3528-IX ↗ |
| Frankreich | Stark begrenzt / im Aufbau | Heute kein funktionierendes System: Das Experiment 2021–24 ist beendet, dem gesetzlich beschlossenen dauerhaften Rahmen fehlen weiter die Durchführungsverordnungen — derzeit kein legaler Weg für neue Patienten. | |
| Spanien | Stark begrenzt / im Aufbau | Erstmals im Oktober 2025 reguliert (Königliches Dekret 903/2025): Nur Krankenhaus-Spezialisten verschreiben standardisierte Zubereitungen, keine Blüten, Abgabe in Krankenhausapotheken. Der Start läuft gerade erst an — für die meisten Patienten gibt es noch keinen nutzbaren Weg. | |
| Belgien | Kein praktikabler Weg | Faktisch geschlossen: Nur das zugelassene THC:CBD-Spray darf abgegeben werden, Apotheken dürfen keine andere Cannabisform abgeben, Anbaulizenzen existieren nicht. | Quelle: FAMHP — questions about medicinal cannabis ↗ |
| Estland | Kein praktikabler Weg | Cannabis steht in Anlage I; der Zugang beschränkt sich auf Einzelfallanträge für nicht zugelassene Produkte über die staatliche Arzneimittelagentur — über die Jahre nur eine Handvoll Bewilligungen. | Quelle: Ravimiamet — cannabis, THC and CBD ↗ |
| Finnland | Kein praktikabler Weg | Fimea-Sondergenehmigungen im Einzelfall für nicht zugelassene Zubereitungen, nachdem zugelassene Arzneimittel versagt haben; höchstens einige Hundert Genehmigungen pro Jahr, Tendenz fallend. | Quelle: Fimea — special permits ↗ |
| Lettland | Kein praktikabler Weg | Kein Programm für medizinisches Cannabis: THC-haltige Zubereitungen sind nicht verschreibungsfähig, und Legalisierungsvorstöße (zuletzt 2025 durch die Progressiven) wurden nicht Gesetz. | Quelle: International CBC — Latvia status (news) ↗ |
| Litauen | Kein praktikabler Weg | Seit Mai 2019 dürfen nur zugelassene Cannabis-Arzneimittel verschrieben werden — praktisch sind kaum welche im Handel. Es gibt keinen Blüten- oder Rezeptur-Weg. | Quelle: NJORD Law — Lithuania 2019 amendment ↗ |
| Norwegen | Kein praktikabler Weg | Krankenhaus-Spezialisten können Named-Patient-Ausnahmen für nicht registrierte Cannabisprodukte beantragen; Hausärzte dürfen nicht verschreiben, die Patientenzahlen bleiben winzig. | Quelle: Norwegian Medical Products Agency — cannabis procedure ↗ |
| Rumänien | Kein praktikabler Weg | Eine Novelle von 2013 erlaubt auf dem Papier Arzneimittel mit Cannabis-Derivaten, aber ein nutzbares Programm wurde nie umgesetzt — für Patienten faktisch geschlossen. | Quelle: CMS legal guide — Romania ↗ |
| Schweden | Kein praktikabler Weg | Kein Programm: Jenseits zweier zugelassener Cannabinoid-Arzneimittel erfordert der Zugang Einzelfall-Lizenzen der Arzneimittelbehörde für nicht zugelassene Zubereitungen — nur eine kleine Zahl von Patienten erhält sie. | Quelle: Läkemedelsverket — licence prescribing ↗ |
| Slowakei | Kein praktikabler Weg | Faktisch geschlossen: Es existiert kein Programm für medizinisches Cannabis, selbst CBD wurde erst 2021 von der Liste psychotroper Stoffe gestrichen. | Quelle: CMS legal guide — Slovakia ↗ |
| Ungarn | Kein praktikabler Weg | Kein Programm: THC-Zubereitungen sind praktisch nicht verschreibungsfähig, und jenseits des theoretischen Imports zugelassener Cannabinoid-Arzneimittel existiert kein Rahmen für medizinisches Cannabis. | Quelle: CMS legal guide — Hungary ↗ |