Therapie begleiten
Das Therapietagebuch
Woran sich entscheidet, ob weiterbehandelt wird — und welche einfachen Skalen dafür taugen.
Warum sich Aufschreiben lohnt
Ob eine Behandlung fortgeführt, angepasst oder beendet wird, entscheidet sich an nachvollziehbaren Beobachtungen. Die Fachinformation von Sativex sieht vor, das Ansprechen nach vier Wochen zu überprüfen, und legt dabei einen zahlenmäßigen Maßstab an. In Deutschland sieht § 31 Absatz 6 SGB V zudem einen sechsmonatigen Therapieversuch vor. Wenn Sie Ihre Beobachtungen laufend festhalten, stützen Sie diese Entscheidungen mit belastbaren Angaben statt mit Erinnerungen.
Eine einfache Skala für Beschwerden
Für die Einschätzung von Schmerz und anderen Symptomen wird häufig eine numerische Skala von 0 bis 10 verwendet, wobei 0 für keine Beschwerden und 10 für die stärksten vorstellbaren Beschwerden steht. Diese Skala wurde auch in den Zulassungsstudien zu Sativex eingesetzt. Notieren Sie Ihren Wert möglichst zu festen Tageszeiten, nicht nur an besonders guten oder besonders schlechten Tagen.
Nicht nur die Zahl, sondern auch die Funktion
Ein etabliertes Kurzinstrument aus der Schmerzforschung, das PEG, erfasst neben der durchschnittlichen Schmerzstärke auch, wie sehr die Beschwerden die Freude am Leben und die allgemeinen Aktivitäten beeinträchtigen, jeweils auf einer Skala von 0 bis 10. Diese drei Fragen sind wissenschaftlich überprüft und wurden entwickelt, um Verlauf und Beobachtung im Praxisalltag zu unterstützen. Halten Sie deshalb auch fest, was Sie im Alltag wieder tun konnten oder weiterhin nicht tun konnten.
Wenn Schlaf ein Thema ist
Für Schlafbeschwerden gibt es mit dem Insomnia Severity Index einen kurzen Selbstauskunftsfragebogen aus sieben Fragen, dessen deutsche Fassung wissenschaftlich überprüft wurde. Er erfasst, wie Sie Ihre Schlafprobleme wahrnehmen. Wichtig: Ein solcher Fragebogen ist ein Hilfsmittel zur Beobachtung und Verlaufskontrolle, er ist keine Diagnose. Die Einordnung nimmt Ihre Ärztin vor.
Was außerdem in Ihre Notizen gehört
Halten Sie Nebenwirkungen mit Datum fest und vermerken Sie, ob sie im Verlauf nachgelassen haben. Notieren Sie, ob Sie gestürzt sind oder beinahe gestürzt wären. Vermerken Sie bei oralen Präparaten, ob Sie sie zu einer Mahlzeit eingenommen haben, da die Aufnahme von Cannabidiol laut Fachinformation stark davon abhängt. Führen Sie außerdem alle weiteren Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel mit Änderungsdatum mit.
Was ein Tagebuch nicht ist
Ihre Aufzeichnungen sind eine Grundlage für das Gespräch, keine Selbstdiagnose und keine Grundlage für eigenständige Dosisentscheidungen. Auch ein auffälliger Wert in einem Fragebogen ersetzt keine ärztliche Beurteilung. Bringen Sie Ihre Notizen zum Termin mit und besprechen Sie sie mit Ihrer Ärztin.
Diese Seite ersetzt kein ärztliches Gespräch und enthält bewusst keine Dosierungsanleitung. Grundlage sind die Fachinformationen der zugelassenen Arzneimittel, die PraxisLeitlinie der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin, der Abschlussbericht der BfArM-Begleiterhebung und die Gesetzestexte — die Quellenliste steht auf der Übersichtsseite.